Hegensdorfer News-Magazin

Katharina Neesen
Dorfleben

19.12.2009 - 19:10
Katharina Neesen aus Hegensdorf hat sich für ein freiwilliges soziales Jahr in Ecuador verpflichtet. Sie berichtet über ihre ersten Eindrücke an ihrem neuen Wirkungsort in der Hauptstadt Quito.

Am 02. September 2009 begann mein Freiwilliges Soziales Jahr in Quito, Ecuador. Ich habe seither viele gute, bisweilen aber auch weniger gute Erfahrungen gesammelt. Neue, interessante Menschen und Lebensgeschichten habe ich kennen gelernt und natürlich einiges über die südamerikanische Kultur erfahren. Darüber und über meine Arbeit hier in Südamerika möchte ich an dieser Stelle berichten.

Zurzeit arbeite ich in einem Zentrum der Fundacion Don Bosco zur schulischen Wiedereingliederung von arbeitenden Kindern bzw. von Jugendlichen mit prekärem familiären Hintergrund. Da fast alle Eltern Migranten und gleichzeitig Analphabeten sind, können sie ihre Kinder nicht bei der Erledigung der Hausaufgaben unterstützen. Diese Aufgabe übernimmt die Einrichtung CASA AMIGOS. Vor und nach der Schule helfen wir den Kindern und Jugendlichen bei den Hausaufgaben, lehren weitere Schlüsselqualitäten wie Werte und Englisch und gestalten mit ihnen die Freizeit. Insgesamt kommen pro Woche ca. 90 Schüler zum Lernen, Spielen und Erholen.
Meine Aufgabe besteht darin, den Gymnasiasten morgens Unterricht im Umgang mit dem Computer zu erteilen und nachmittags mit den Grundschülern im Alter von fünf bis acht Jahren die Hausaufgaben zu erledigen sowie ihr Sozialverhalten durch Spiele und Übungen zu verbessern.
Mir gefällt die Arbeit gut. Es ist jedoch sehr schwer, Zugang zu den Jungen und Mädchen zu bekommen. Sie haben in ihrem kurzen Leben bereits viele Enttäuschungen, insbesondere im familiären Bereich, erlebt. Oftmals fehlt ihnen auch die Ausdauer und Konzentration, eine Aufgabe zu Ende zu führen. Deshalb muss man ihnen oftmals gut zureden und natürlich eine ganze Menge Geduld aufbringen. Für meine täglichen Bemühungen und Anstrengungen werde ich aber auch belohnt: Man sieht langsam aber sicher die Fortschritte und es ist einfach ein schönes Gefühl, einem jungen Menschen fundamentale Dinge wie Lesen und Schreiben beizubringen.
Mein Arbeitsplatz CASA AMIGOS befindet sich in Chillogallo im Süden Quitos. Ich wohne aber mit einer österreichischen Volontärin auf dem Gelände eines weiteren Projektes der Fundacion Don Bosco in einem eigenen Haus in Conocoto, so dass ich jeden Tag insgesamt drei Stunden mit dem Bus pendeln muss.
Am Wochenende unternehmen wir hier und in der Umgebung viele Aktivitäten. So hatte ich bereits die Möglichkeit, einen Salesianer-Pater in den Bergen zu besuchen. Das war ein Erlebnis der besonderen Art und ganz anders als das, was man in Quito erleben kann.
In dieser Gemeinde leben nur die ursprünglichen Einwohner Lateinamerikas, die Indigenas. Die Region ist durch große Armut geprägt. Die Menschen produzieren das, was sie zum Leben benötigen selbst und verdienen kein oder nur wenig Geld. Die Landflucht ist hier ein großes Problem. Viele junge Menschen migrieren in die großen Städte in der Hoffnung, sich dort ein besseres Leben aufbauen zu können. Der Pater sagte uns aber, dass das in den meisten Fällen ein Irrtum sei, weil sie aufgrund fehlender schulischer Ausbildung keinen Job finden. Somit verdienen sie ihr Geld vorwiegend im informellen Sektor - das heißt, sie putzen Schuhe, verkaufen Bonbons, Zigaretten und Kaugummis auf der Strasse und in den Bussen. Viele von ihnen werden auch von den Drogenbossen, die die schwierige Situation der Migranten ausnutzen, als „Laufburschen“ und Dealer angeheuert.
Insgesamt lässt sich aber sagen, dass die Menschen hier trotz aller Armut sehr reich sind; nämlich an Herzlichkeit und nationaler Identität. Daran werde ich mich noch gerne erinnern, wenn ich wieder in Deutschland bin.
Viele Grüße aus Quito sendet euch Katharina Neesen.

Maria Lummer